- Weder komplett echt noch komplett fake: Die Begegnungen sind nach Aussagen beteiligter Chefs nicht geskriptet, aber die Situation ist inszeniert und das Material stark geschnitten.
- Die Mitarbeiter wissen, dass gefilmt wird – ihnen wird eine Tarngeschichte erzählt, etwa eine Dokumentation über Neueinsteiger oder die Branche. Wer der Neue wirklich ist, wissen sie nicht.
- Die Firmen bewerben sich nicht zwingend selbst: RTL spricht Unternehmen auch aktiv an. Für sie ist die Sendung zugleich Imagewerbung.
- Sehen: Neue Folgen liefen zuletzt im Juli 2026 montags um 20:15 Uhr bei RTL, auf Abruf in RTL+.
Ein Firmenchef setzt eine Perücke auf, gibt sich als Praktikant aus und arbeitet eine Woche lang an der Basis – und niemand erkennt ihn? Bei „Undercover Boss“ fragen sich viele Zuschauer, wie das funktionieren kann. Dieser Beitrag trägt zusammen, was über die Produktion bekannt ist: aus Berichten von Unternehmen, die mitgemacht haben, und aus dem Aufbau des Formats.
Echt, gestellt oder dazwischen? Die Einordnung
| Element | Einordnung | Begründung |
|---|---|---|
| Kameras vor Ort | offen gefilmt | Mitarbeiter müssen der Aufnahme zustimmen; sie erhalten eine Tarngeschichte für den Dreh. |
| Identität des Chefs | verdeckt | Verkleidung, falscher Name, erfundener Lebenslauf. |
| Gespräche und Arbeit | weitgehend echt | Beteiligte berichten, dass es keine Drehbücher gab. |
| Auswahl der Szenen | stark bearbeitet | Tagelanges Material wird auf rund 90 Minuten mit dramatischen Höhepunkten geschnitten. |
| Auflösung und Geschenke | geplant | Die Mitarbeiter werden gezielt zur Auflösung eingeladen; die Belohnungen legt das Unternehmen fest. |
| Unternehmensbild | nicht neutral | Die Firma muss mitwirken und profitiert von der Reichweite. |
Woher das Format kommt
„Undercover Boss“ wurde 2009 in Großbritannien für Channel 4 entwickelt und wurde ab 2010 in den USA bei CBS zum Quotenhit. Danach verkaufte sich das Format in zahlreiche Länder. In Deutschland läuft die Sendung seit 2011 bei RTL. Jede Folge begleitet eine Führungskraft aus einem bekannten Unternehmen – von Handels- und Gastroketten bis zu Apotheken, Autohöfen und Möbelhändlern. 2026 waren unter anderem die Autohof-Gruppe 24-Autohof, JYSK Deutschland und das Modehaus Wöhrl dabei.
So läuft ein Dreh ab – ein dokumentiertes Beispiel
Besonders detailliert hat der Chef einer Apothekenkooperation nach seiner Teilnahme über die Produktion berichtet. Die Angaben zeigen typisch, wie die Show funktioniert:
- Anfrage: RTL suchte neue Unternehmen für die Reihe und sprach die Firma an.
- Dauer: zehn Drehtage, Arbeitsbeginn jeweils früh am Morgen, begleitet von einem kleinen Team von vier RTL-Mitarbeitern.
- Tarngeschichte: Den Mitarbeitern wurde gesagt, RTL drehe einen Bericht über Apothekenschließungen und darüber, was die Kette anders macht. Die Geschichte entwickelte das Unternehmen selbst.
- Eingeweihte: Die Inhaber der besuchten Filialen erfuhren wenige Tage vor Drehbeginn, worum es wirklich ging.
- Verkleidung: Perücke, neuer Name und eine erfundene Biografie als Quereinsteiger auf Jobsuche.
- Auflösung: Die Mitarbeiter wurden per Brief in die Zentrale eingeladen und erfuhren dort vor der Kamera, wer ihr Praktikant war.
- Drehbuch: Laut dem Chef gab es keine vorgegebenen Texte; er beschrieb das Material als echt.
Warum erkennt niemand den Chef?
Das ist weniger unwahrscheinlich, als es klingt. In großen Filialnetzen kennen Mitarbeiter den Vorstand oft nur von Fotos im Intranet. Perücke, Bart, Brille und Arbeitskleidung verändern das Erscheinungsbild stark. Hinzu kommt der Kontext: Niemand rechnet damit, dass der Chef als Aushilfe an der Kasse steht. Dass es gelegentlich Verdachtsmomente gab, haben Beteiligte international durchaus eingeräumt – solche Szenen schaffen es aber selten in die Sendung.
Die Kritik am Format
Kritiker bezeichnen „Undercover Boss“ als besonders lange Werbesendung: Unternehmen erhalten zur Hauptsendezeit eine große Bühne, und am Ende steht fast immer ein versöhnliches Bild. Probleme werden zwar gezeigt, aber selten so, dass sie der Firma nachhaltig schaden. Zudem stellt sich die Frage, wie freiwillig Mitarbeiter mitmachen, wenn der eigene Arbeitgeber der Produktion zugestimmt hat. Rechtlich braucht es ihre Einwilligung zur Veröffentlichung – wer nicht zeigen möchte, kann unkenntlich gemacht werden oder wird nicht gezeigt.
Wo läuft Undercover Boss?
Neue Folgen zeigt RTL staffelweise montags um 20:15 Uhr – zuletzt im Juli 2026. Auf Abruf stehen Folgen in RTL+ bereit (ab Basic, 5,99 € im Monat); RTL live gibt es in RTL+ Premium (9,99 €), bei Zattoo, waipu.tv und MagentaTV. Kostenlos sehen Sie RTL per Satellit in SD und über Kabel.
1. Wissen die Mitarbeiter, dass gefilmt wird?
2. Wo entstand das Format?
3. Wie lange dauerte der Dreh im dokumentierten Apotheken-Beispiel?
4. Gab es laut dem Chef ein Drehbuch?
5. Seit wann zeigt RTL die Show?

