- Es gibt zwei Hauptmethoden: Bei der Pass-Methode zählt der Anteil der gespielten Pässe, bei der Zeit-Methode die Zeit, in der ein Team den Ball kontrolliert.
- Der Datenanbieter Opta, dessen Zahlen viele Medien nutzen, berechnet den Ballbesitz über den Anteil der Pässe.
- Zeitbasierte Werte stammen aus Tracking-Daten. Manche Anbieter weisen zusätzlich einen Anteil umkämpften Ballbesitzes aus, etwa die FIFA seit der WM 2022.
- Unterbrechungen zählen nicht. Deshalb können zwei Quellen für dasselbe Spiel unterschiedliche Prozentwerte zeigen.
62 zu 38 Prozent Ballbesitz: Diese Zahl blendet jeder Sender ein, doch kaum jemand weiß, wie sie entsteht. Tatsächlich gibt es keine einheitliche Definition. Die TV-Grafik bei Sky oder DAZN, die Statistik in der Sportschau und die Werte in der Vereins-App können sich um mehrere Prozentpunkte unterscheiden, weil verschiedene Datenanbieter verschiedene Methoden verwenden. Dieser Artikel erklärt beide Verfahren, zeigt Rechenbeispiele und hilft Ihnen, die Zahl richtig zu deuten.
Methode 1: Ballbesitz über Pässe
Die einfachste und am weitesten verbreitete Methode setzt die Pässe eines Teams ins Verhältnis zu allen Pässen im Spiel. Spielt Team A 540 Pässe und Team B 360, kommt A auf 540 von 900 Pässen, also 60 Prozent. Opta, einer der größten Sportdatenanbieter weltweit, arbeitet nach diesem Prinzip. Der Vorteil: Pässe lassen sich eindeutig erfassen, die Werte sind über Ligen und Jahre gut vergleichbar.
Die Schwäche zeigt sich bei unterschiedlichen Spielstilen. Ein Team, das viele kurze Pässe spielt, sammelt schnell Ballbesitz-Prozente. Ein Team, das den Ball lange im Dribbling führt oder mit langen Bällen arbeitet, erscheint dagegen weniger dominant, selbst wenn es den Ball ähnlich lange hatte.
Methode 2: Ballbesitz über Zeit
Bei der zeitbasierten Methode wird gemessen, wie viele Sekunden jedes Team den Ball kontrolliert. Grundlage sind Tracking-Systeme mit Kameras, die Ball und Spieler in jedem Moment erfassen. Die Zeit läuft nur, solange der Ball im Spiel ist. Einwürfe, Freistoßvorbereitungen, Verletzungspausen und Torjubel fallen heraus. Die effektive Spielzeit liegt deshalb deutlich unter 90 Minuten.
Ein weiterer Punkt ist der umkämpfte Ball. Bei der WM 2022 führte die FIFA eine dritte Kategorie ein: die Zeit, in der kein Team den Ball klar kontrolliert, etwa nach einem Kopfballduell. Werte wie 52 zu 33 zu 15 Prozent wirken deshalb zunächst ungewohnt, sind aber präziser.
| Merkmal | Pass-Methode | Zeit-Methode |
|---|---|---|
| Grundlage | Anzahl gespielter Pässe | Sekunden mit Ballkontrolle |
| Bekannter Anbieter | Opta | Tracking-Systeme, z. B. FIFA-Daten |
| Unterbrechungen | spielen keine Rolle | werden herausgerechnet |
| Bevorzugt | Kurzpass-Teams | neutraler |
| Umkämpfter Ball | nicht erfasst | teils eigene Kategorie |
| Aufwand | gering | Tracking nötig |
Rechner: Ballbesitz selbst berechnen
Mit dem Rechner probieren Sie beide Methoden aus. Tragen Sie Pässe oder Minuten ein, die Prozentwerte erscheinen sofort.
Warum viel Ballbesitz nicht automatisch gewinnt
Ballbesitz beschreibt, wer das Spiel gestaltet, nicht, wer besser ist. Konterstarke Mannschaften überlassen dem Gegner oft bewusst den Ball und lauern auf Fehler. Aussagekräftiger sind deshalb Kennzahlen wie erwartete Tore (xG), Torschüsse, Ballbesitz im letzten Drittel oder die Zahl der Pässe in den Strafraum. Moderne Analysen kombinieren mehrere Werte, um Dominanz zu messen.
- Hoher Ballbesitz plus viele Torschüsse: echtes Übergewicht.
- Hoher Ballbesitz, wenige Chancen: Ballbesitz ohne Durchschlagskraft.
- Niedriger Ballbesitz, hohe xG: effektives Umschaltspiel.
1. Team A spielt 300, Team B 200 Pässe. Wie hoch ist der Ballbesitz von A nach Pass-Methode?
2. Nach welchem Prinzip berechnet Opta den Ballbesitz?
3. Was zählt bei der Zeit-Methode nicht?
4. Welche Kategorie führte die FIFA bei der WM 2022 ein?
5. Welches Team profitiert bei der Pass-Methode?

